Von Anneliese, dem Einmachen und der Liebe zum Detail

In der Küche meiner Tante Anneliese klirren die Gläser.

Dampf steigt aus dem großen Topf, und in der Luft liegt dieser Duft – süß, fruchtig und schon ein bisschen weihnachtlich.

Auf der Anrichte stapeln sich Schalen voller Orangen, Birnen und Zitronen.

Auch Lavendelblüten stehen bereit – für die nächste Marmeladen-Kreation.

Anneliese trägt ihre Schürze wie ein Arbeitskleid, die Ärmel hochgekrempelt, den Kochlöffel in der Hand. Rühren, abschmecken, ein Löffelchen kosten. Dann nickt sie zufrieden. Wieder eine neue Sorte geschafft.

„Das Obst da war ein Geschenk von Lisi“, sagt sie und zeigt auf die Lavendelblüten und Birnen im Sieb. Im Dorf wissen es längst alle: Wer mehr Obst hat, als er selbst verarbeiten kann, bringt es zu Anneliese.

Denn hier wird nichts weggeworfen – sondern verwandelt in etwas, das bleibt.

Das Schönste daran: Durch ihre Leidenschaft unterstützt mich Tante Anneliese bei meinem täglichen Tun in der Kammer. Sie weiß, dass mir oft die Zeit fehlt, selbst Marmelade einzukochen. Und sie kann es einfach – mit Geduld, Freude und einer tiefen Liebe zum Kochen und Backen. So findet ihre Arbeit den Weg auf unseren Frühstückstisch. Und unsere Gäste schmecken das. 

Ein paar Tage später stehen die frisch gefüllten Gläser bei uns bereit.

Jedes von ihnen erzählt eine kleine Geschichte, vom Obst aus den Gärten ihrer Freundinnen, vom Teilen, vom Weitergeben. Kein Kilo wird verschwendet. Alles findet seinen Platz: in einem Glas voller Farbe und Geschmack.

So schmeckt Nachhaltigkeit bei uns – ehrlich, hausgemacht, kreativ.

Und vor allem: besonders.

Wer ist eigentlich Tante Anneliese?

Sie ist, so wie ich, hier auf dem Hof groß geworden – das einzige Mädchen zwischen drei Brüdern. Da war schnell klar, dass sie die große Hilfe in der Küche ist.

Später arbeitete sie mit Freude in der Dorfbäckerei. Kein Wunder, dass sie heute noch jede und jeden hier kennt. Und umgekehrt.
Denn wer einmal eine Torte von ihr probiert hat, weiß: Das kann nur Anneliese.

Auch jetzt, im wohlverdienten Ruhestand, steht sie am liebsten in ihrer Küche.
Tante Anneliese ist meine Patentante – und wir zwei sind ganz eng. Überrascht euch wahrscheinlich jetzt nicht wirklich?

Und heute gibt’s als Bonus – und vielleicht schon als erstes kleines Weihnachtsgeschenk:

Tante Annelieses neues Lieblingsrezept – Orangen-Zitronen-Marmelade

Rezept für ca. 1 Liter Marmelade

  • 750 ml frisch gepresster Orangensaft
  • 150 ml frisch gepresster Zitronensaft
  • 100 ml Holunderblütensirup (am besten selbstgemacht)
  • Zimtstangen, ganze Nelken, 1 Messerspitze Kardamom
  • 700 g Gelierzucker (2:1)

 

Zubereitung: 

Saft, Sirup, Gewürze und Gelierzucker aufkochen und 5 Minuten sprudelnd kochen lassen.
Dabei immer wieder rühren und entstehenden Schaum abschöpfen.
Dann in heiße, sterile Gläser füllen – fertig.